Nicht nur durch die mittlerweile abklingende Wirtschaftskrise ist die Politik wieder in den Fokus der Menschen gekommen. Irgendwie habe ich subjektiv den Eindruck, dass der Politik wieder mehr Respekt und Anerkennung gezollt wird. Finde ich nicht verkehrt. Schliesslich ist ja alles irgendwie mit der Politik verwoben. Was mich aber wundert: Es hat den Anschein, dass sich mittlerweile viele junge Menschen wieder mit der Politik beschäftigen. Und das ist noch besser!
Ob das jetzt mal an der neuen Piratenpartei liegt sei jetzt mal dahingestellt. Jedenfalls haben diese es geschafft, Wählerpotential zu aktivieren dass bisher völlig außerhalb des Radars der eingefahrenen etablierten Parteien lag.
Sie scheinen mit Ihrem relativ diffusen Programm trotzdem (oder gerade deswegen?) auch politikfaule Netzbürger anzusprechen. Wenn ich mir die ganzen Wahlplakate zur Bundestagswahl ansehe überfallt mich jedenfalls ein mächtiges Gähnen: Abgedroschene Phrasen überall. Überall? Nicht ganz. Eine kleine Mikropartei bringt mit ihrem Orange Farbe in den Wahlkampf: Eben die Piraten. Man kann ja über die Jungs und Mädels denken was man will: Aber von allen existenten Parteien sind sie im Internet wohl (logischerweise) am besten vertreten. – Und was noch wichtiger ist: Sie zeigen ein Profil an dem man sich reiben kann, dass für Diskussionsstoff sorgt. – Was man von den anderen Parteien wohl kaum sagen kann. Aber ein wichtiger Punkt dürfte am meisten für den Auftrieb der Oranjes sorgen: Sie vermitteln kompetente Glaubwürdigkeit in ihrer politischen Nische!
Kann man wohl von den beliebig austauschbaren Parolen der anderen Parteien nicht gerade behaupten. Alleine der Slogan der CDU ist ja schon eine Beleidigung jedes Intellekts der zumindest mal die Hauptschule erfolgreich abgeschlossen hat. "Wir haben die Kraft" – Phhh.. das ich nicht lache! Aber für einen gescheiten Slogan hat die Kraft wohl offenbar nicht gereicht, hm? Echt ein Witz hoch zehn. Die SPD bekleckert sich auch nicht mit Ruhm, da Sie im Revier der Grünen wildert (Thema: Energie), die Linken schreiben sich das Bonmot der SPD in Sachen soziale Gerechtigkeit auf die Fahnen und so weiter und so fort…
Immerhin haben die Linken eine neue Partei in der Bundespolitik positioniert, die sich nicht wegdiskutieren lässt. Hier hat schlicht die SPD im internen Richtungsstreit mächtig Federn gelassen.Ob sich das wieder mittelfristig beheben läßt wird sich zeigen müssen.
Was sich jedenfalls durch die Linken und Piraten offenbart: Mit klaren Aussagen für oder gegen etwas lässt sich immer noch gut Politik machen und Wählerpotential mobilisieren. Gewisse parallelen zu den frühen Grünen sind sicher nicht verkehrt. Auch in Sachen "Polizei", scheinen die Piraten ähnliche Erfahrungen zu sammeln wie früher die Grünen. Ich finde die ganzen Änderungen im System eigentlich ganz gut: Warum sollte es in der Politik anders sein als im normalen Leben? - Auch hier finden ja enorme Veränderungen statt. Stichworte: Lohnniveau. Arbeitsplatzsicherheit, Gesundheitskosten etc.
Die neuen Parteien werden den bisherigen Platzhirschen immer mehr Substanz abknappsen. Die Erosion bestehender Parteien hat ja schon begonnen – paradoxerweise dadurch, dass scheinbar immer mehr Menschen politisch werden/denken und dies mit der Wahlstimme zum Ausdruck bringen. Insofern kann man schon von einer Wiederbelebung des politischen Geistes sprechen. Ich bin sicher, dass sich dies auch bei den Ergebnissen der Bundestagswahl 2009 niederspiegeln wird. Allerdings werden die ehemaligen "Volksparteien" es immer schwerer haben, ihren Ruf als Volkspartei auch weiter zu behalten – den neuen (politischen) Zeiten sei Dank! - Es tut sich endlich mal wieder was!
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