Spitzenkoch Thomas Jaumann bricht Ende August mit seinem Restaurant in Koblenz die Zelte ab: Insolvenz. Trotz seines Bekanntheitsgrades aus dem Fernsehen, wo er bei SAT1 als Juror einer Kochsendung tätig war, konnte ihm auch die allgemein gute Wirtschaftslage nicht helfen.
Es mag bestimmt einige Gründe geben, warum es an dem Standort im Koblenzer Industriegebiet Nord nicht gelaufen ist: An der Qualität seiner Kochkünste sicher nicht! Ich war selber Gast dort und kann es also auch entsprechend einstufen. Wie es leider in Deutschland oft so der Fall ist, zerreissen sich nun jede Menge Leute über die Insolvenz das Maul.
Etwas überrascht war ich dann, als in einem Bericht von einer Koblenzer Zeitung in nicht gerade neutraler Weise über die Insolvenz informiert wurde. Das machte dann auch schnell per Twitter die Runde. Ergebnis: Eine Gegendarstellung von Thomas Jaumann.
Meiner Ansicht nach sollte man nicht gerade in solcher Weise über einen engagierten Gastronomen sprechen. Der Fehlschlag mit der entsprechenden finanziellen Folge ist schon schwer genug – da braucht es sicher nicht besserwisserischer Sprüche, die eh zu keiner positiven Änderungen der Lage führen.
Im Gegensatz zu einigen anderen bin ich nicht der Ansicht, dass seine Preise "gesalzen" sind/waren. In Deutschland gibt es europaweit die (scheinbar) günstigsten Lebensmittelpreise. Wenn man allerdings individuelle Speisen mit hohem handwerklichen Einsatz und frischen Zutaten anrichten möchte, dann ist es allerdings vorbei mit diesen Aldi-Preisen! Es kann auch gar nicht anders so sein, denn ansonsten vergleicht man Äpfel mit Birnen. Sehr gute Qualität kann man nicht zu den niedrigsten Preisen haben!
Mit Sicherheit war der Standort im Gewerbegebiet alles andere als vorteilhaft für das Restaurant. Das sieht Thomas Jaumann ja auch so. Wenn allerdings gesagt wird, dass die Koblenzer in Bausch und Bogen eher Bock auf Mc Donalds und Döner hätten, trifft das sicher so nicht zu. Das hat der Gastronom allerdings auch nach eigener Aussage so nicht gesagt. Siehe auch die Gegendarstellung dazu. Die Koblenzer Zeitung bleibt jedoch bei Ihrer Aussage, dass diese Aussage so gemacht worden ist.
Leider muss man den Äußerungen auf Twitter hinsichtlich der Wartezeiten zumindest teilweise zustimmen. Ich selber durfte selber im letzten Jahr erleben, dass der Service nicht gerade der schnellste ist. Vielleicht hatte ich aber auch einfach nur einen schwachen Tag erwischt – wer weiss das schon? Die Speisen waren allerdings top!
Von meiner Warte aus war ein wesentlicher Grund für die Pleite die fehlende Werbung. Die kam leider erst fragmentarisch, als das Kind schon in den Brunnen gefallen war. Koblenz ist allerdings kein einfaches Pflaster für Gastronomen. Einerseits sind schon viele eingesessene Lokalitäten vorhanden und andererseits haben die Koblenzer des öfteren etwas seltsame Ansichten über Preis und Qualität. Es ist für einen Newcomer alles andere als leicht, hier Fuß zu fassen. Auch wenn man ein Spitzenkoch ist, laufen einem aber auch nicht automatisch die Kunden die Bude ein. Dafür muss man was tun. So schmerzhaft die Schliessung nun für ihn ist: Ich wünsche Thomas Jaumann mehr Erfolg an anderer Stelle – die Qualitäten dafür hat er !
